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TaunusMotorradregion Taunus9 Strecken
Der Motorrad-Guide im Taunus: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.
Der Taunus ist ein Mittelgebirge nördlich der Rhein-Main-Ebene, überwiegend in Hessen, mit kleinen Ausläufern nach Rheinland-Pfalz. Geologisch bildet er den südöstlichen Rand des Rheinischen Schiefergebirges; sein Gestein stammt aus dem Devon und ist entsprechend alt, gerundet und dicht bewaldet. Begrenzt wird das Revier im Südwesten vom Rhein und dem Rheingau, im Süden vom Main-Taunusvorland, im Osten von der Wetterau und im Norden vom Lahntal und dem Limburger Becken. Für Motorradfahrer aus dem Ballungsraum Frankfurt, Wiesbaden und Mainz: ein vollständiges Kurvenrevier beginnt praktisch am Ortsrand.

Prägend ist der Taunushauptkamm, ein durchgehender Höhenzug, der in südwest-nordöstlicher Richtung über rund 75 Kilometer vom Niederwald bei Rüdesheim bis in den Raum Bad Nauheim zieht. Der Kamm ist eine Pultscholle: Nach Süden fällt er steil zur Ebene ab, nach Norden läuft er lang und flacher ins Usinger Land und zur Lahn aus. Diese Asymmetrie bestimmt den Fahrcharakter. Von der Rhein-Main-Seite klettert man auf kurzer Distanz in engen Kehren mehrere hundert Höhenmeter hinauf; auf der Nordseite rollt die Strecke offener, mit weiten Radien und langen Geraden, in die Täler aus. Zwischen der Ebene bei gut 100 Metern und dem höchsten Punkt liegen fast 800 Höhenmeter — auf engem Raum.
Dieser höchste Punkt ist der Große Feldberg mit 879 Metern, zugleich die höchste Erhebung des gesamten Rheinischen Schiefergebirges. Um ihn gruppieren sich der Kleine Feldberg (825 m) und der Altkönig (798 m). Der Gipfel ist der klassische Sammelpunkt der Rhein-Main-Biker, und die Auffahrten sind der Kern des Reviers: Über den Pass Rotes Kreuz (688 m) oberhalb von Königstein und über den Sandplacken (669 m) zwischen Oberursel und Schmitten führen kurvige Höhenstraßen zum Feldbergplateau. Von Oberursel-Hohemark schraubt sich die B455 nach oben, ehe die Feldbergstraße das letzte Stück übernimmt. Enge Waldkurven, Nadelwald und wechselnde Ausblicke prägen diese Rampen.
Der Zustieg ins Gebirge erfolgt fast immer über die südlichen Tore. Bad Homburg, Oberursel, Kronberg und Königstein liegen wie eine Kette am Südfuß, wo die Ebene endet und der Hang beginnt. Klassischer Ausgangspunkt ist die Hohemark oberhalb von Oberursel — hier hört die Bebauung auf, und die Straße legt sich sofort in die ersten Kehren Richtung Sandplacken und Feldberg. Wenige Kilometer weiter westlich schiebt sich die B8 über Glashütten auf den Kamm. In beiden Fällen sind es kaum zehn Minuten von der letzten Ampel bis zur ersten ernsthaften Kurvenkombination.

Neben dem Feldberg-Block strukturieren einige Bundesstraßen das Fahren. Die B8 quert den Taunus von Königstein über Glashütten hinweg und fällt durch die Idsteiner Senke nach Bad Camberg und Limburg ab — eine zügige Verbindung mit Höhenanteil. Die B456 zieht von Bad Homburg an der Saalburg vorbei nordwärts ins Usinger Land. Die B275 fädelt bei Altweilnau ins Weiltal ein, jene lange, kurvenreiche Talachse zwischen Schmitten und Weilburg, die den Kamm mit der Lahn verbindet. Wer den Hauptkamm im Westen überqueren will, nimmt die B417: Der Abschnitt von Limburg bis Taunusstein trägt den überlieferten Namen Hühnerstraße, ehe die Platter Straße den Kamm am Jagdschloss Platte auf 500 Metern überschreitet und breit ausgebaut nach Wiesbaden hinabführt.
Nach Südwesten läuft der Kamm über Wiesbaden und den Rheingau zum Rhein aus. Über Rüdesheim und dem Niederwald bricht das Gebirge steil zum Strom ab; die Strecken wechseln hier von Bergwald zu Rebhängen mit Blick auf das Mittelrheintal. Am nordöstlichen Ende verliert der Taunus dagegen an Höhe und geht sanft in die Vorhöhen bei Bad Nauheim und die Wetterau über. Zwischen diesen beiden Polen — steiler Weinberg-Abbruch im Westen, auslaufende Hügel im Osten — spannt sich der komplette Charakterbogen des Reviers.
Der Reiz liegt in der Mischung. Auf den Kammlagen fährt man zügig über offene Höhen mit Fernblick, sekundenschnell tauchen die Strecken wieder in geschlossenen Wald ab, wo die Radien enger werden und die Konzentration steigt. Buchen- und Nadelwald dominieren die Höhen, und es bleibt dort oben spürbar kühler und schattiger als in der Ebene — im Sommer angenehm, in der Übergangszeit ein Warnsignal: Auf den Nordhängen und in den Waldschluchten halten sich Feuchte und Laub länger, und an kühlen Morgen wie im Herbst steht dort weniger Grip zur Verfügung, als der trockene Asphalt unten in der Ebene vermuten lässt. An klaren Tagen reicht der Blick vom Kamm weit über die Mainebene bis zum Odenwald und zum Spessart.

Zum Charakter gehört die Geschichte am Streckenrand. Über den Kamm zog der Obergermanisch-Raetische Limes, die alte römische Grenze; keltische Ringwälle wie der auf dem Altkönig liegen unmittelbar an den Fahrstrecken. Man fährt hier nicht durch ein beliebiges Waldgebirge, sondern durch eine seit der Antike genutzte Höhenlandschaft. Praktisch bleibt der Taunus dabei ein kompaktes Revier: Eine Runde über Kamm, Weiltal und Rheingau-Abfahrten lässt sich an einem Tag fahren, ohne die Region zu verlassen, und variiert dennoch stark — Rebhänge über dem Rhein im Südwesten, dichter Bergwald in der Mitte, weite Nordhänge zur Lahn. Die Nähe zur Metropole ist Vor- und Nachteil zugleich: Die Anfahrt ist für viele kurz, dafür füllen sich Feldberg und die Hauptauffahrten an sonnigen Wochenenden früh. Für Ruhe startet man zeitig oder weicht auf die Nebenstrecken im Usinger Land und im nördlichen Weiltal aus, wo der Verkehr dünner und der Rhythmus gleichmäßiger wird.
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